Koppel

Performancevideo, 2005, 3 Min., Farbe, Deutsch mit engl. Untertiteln, Stereo, DV
Couple, Performancevideo, 2005, 4 Min., Colour, German with English Subtitles, Stereo, DV

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(…) Alle Videoarbeiten von Dennis Feser sind so gesehen Visualisierungen einer versuchten Aufhebung der materiellen Grenzen zwischen dem Ich und dem Anderen und zugleich die Vorführung des Scheiterns dieser Grenzüberschreitung. (…) . „Koppel“ (2005) überführt diesen paradoxen Befund in einen strukturell ausweglosen Solipsismus. Während das Ich im Offtext über die Sehnsucht nach Eigenverantwortlichkeit räsoniert und beschließt, die „Sache auf die Spitze zu treiben“, um der „erbärmlich passiven Erwartungshaltung“ zu entgehen, verstrickt sich der Künstler in seinem Badezimmer in eine Klebebandorgie, in deren Verlauf seine gipsbeinartigen Beinumwicklungen in überlange gebogene Tentakel-Enden auslaufen, die sich mit dem Kopfturban so verbinden, dass dem Körper jegliche normale Bewegung verwehrt wird. Gerade an dieser Arbeit zeigt sich überdies die metaphorische Belastbarkeit des Lieblingsmaterials des Künstlers: Ebenso simpel wie einleuchtend dokumentiert das Klebeband den Umschlag von der versuchten Entfesselung zur Fesselung. So wie die Klebrigkeit des Bandes die Voraussetzung für die wuchernden Körperextensionen bildet, sorgt es gleichzeitig dafür, dass das Ich im wörtlichen Sinn an sich selbst kleben bleibt, auf ewig gefangen in einem merkwürdigen Hybridstatus zwischen tragisch-grotesker Gliederpuppe und versehrtem Leib. (…)

Aus: Stephan Berg, „Die Hybridisierung des Körpers“ (in „Dennis Feser, Various Tapes„, 2009)

(…) In this light, all of Feser’s video works visualize the attempt to dissolve the material boundaries between the self and the other, and at the same time, they show the failure of the attempt. (…) Koppel (or Couple, 2005) transfers this paradoxical finding to a solipsism with a structural dead end. While the self in the voice-over reasons about the longing for individual responsibility and decides to “exaggerate the thing to the extreme,” in order to avoid a “deplorably passive, expectant attitude,” the artist becomes entangled in an orgy of adhesive tape in his bathroom, during which the strips wound around his leg like a cast turn into oversized, bent tentacles, which in turn become wrapped up in a turban on his head, so that his body is unable to move normally at all. Moreover, this work also demonstrates the metaphorical capacity of the artist’s favorite material: as simple as it is enlightening, the adhesive tape documents the process of being enveloped, from the escape attempt to the captive state. Just as the tape’s adhesiveness facilitates the rampant growth of the body extensions, at the same time, it also makes sure that the self literally remains stuck to itself, trapped forever in a strange, hybrid state between that of a tragic-grotesque marionette and a maimed body. (…)

From: Stephan Berg, „Die Hybridisierung des Körpers“ (in „Dennis Feser, Various Tapes„, 2009)